Mittwoch, 21. Mai 2014

100 Songs (100 - 91)

Die Sache mit meinen 100 Lieblingsalben geht derzeit ja leider nicht so wirklich voran. Irgendwann werden aber sicher noch die ausstehenden Artikel zu meinen liebsten Alben erscheinen. Bis dahin kann man sich die Zeit aber auch hervorragend mit anderen Listereien vertreiben. Wie einige von euch wissen, schreibe ich seit ungefähr einem halben Jahr auch für plattentests.de Rezensionen. Dort läuft gerade im Forum eine Aktion, in welcher die User ihre Lieblingslieder zusammentragen. Am Ende soll dann eine mehr oder weniger repräsentative Gesamtliste der Favoriten der plattentests-Leserschaft aus den Einzellisten kompiliert werden. Als alter Listenfreak mache ich da natürlich auch mit, und habe in den letzten Wochen versucht, die 100 Songs zu finden, die mir am meisten bedeuten. 

Eine Rangfolge ist bei Songs noch weit schwieriger (und auch sinnloser) als bei Alben, da einzelne Lieder noch viel stärker von Stimmungen und Erinnerungen abhängen. In den nächsten Wochen werde ich euch daher die Tracks in handlichen Paketen von 10 Einzelstücken präsentieren, wobei das einzige Sortierungskriterium die persönliche Bedeutung darstellt. Große Romane werde ich nicht schreiben, ich werde mich lediglich auf einige knappe Sätze beschränken. Ihr findet die komplette Liste auf einer speziellen Unterseite.

100 RMB - Spring
Als Junge fuhr ich voll auf den hämmernden Technosound, der Mitte der 90er populär war, ab. Natürlich kannte ich nur die "Kommerzkacke", aber auch unter den zahllosen Stumpf-Tracks gab es einige Ausreißer, die man heute noch einigermaßen hören kann. "Spring" von RMB fasst in etwas mehr als drei Minuten die wichtigsten Bestandteile damaliger Pop-Hardcore-Tracks zusammen: Hohes Tempo, verzerrte Bassdrum, ein eingängiges Hauptmotiv, Gesangssamples und einen boxensprengenden Buildup, auf den der euphorische Höhepunkt des Stückes folgt. Funktionsmusik, die Spaß macht.

99 Röyksopp - Alpha male
Auch gut 10 Jahre nach meinen ersten Kontakten mit der elektronischen Musik hatte sie wenig von ihrem Reiz auf mich eingebüßt. Zwar sind Röyksopp keine großen Innovatoren, Mitte des letzten Jahrzehnts befanden sich die Norweger allerdings in einer kreativen Hochzeit. "Alpha male" zitiert "Autobahn" von  Kraftwerk und überträgt die Oktaven-Basslinien in einen glitzernden Disco-Kontext samt furiosem Finale.

98 Trio - Herz ist Trumpf
Trio ist eine der besten Bands, die es jemals in Deutschland gab. Warum? Weil sie den urdeutschen Schlager dekonstruierten und verkindlichten, und so die ganze Perfidie der teutonischen Berieselungsmaschinerie offenlegten. "Herz ist Trumpf" mag weniger bekannt als das unzerstörbare "Da da da" sein, es ist mindestens ebenso primitiv genial wie der Überhit. Zudem stellt es eine der wichtigsten Fragen des Lebens: "Was dann, was dann?"

97 Glados - Still alive
Moment mal, ein Song aus einem Videospiel? Ja, warum denn nicht? "Still alive" erklang im Abspann des fantastischen 3D-Puzzle-Spiels "Portal" der Firma Valve und rundete das ohnehin tolle Spielerlebnis mit einem einzigartigen Schlussakkord ab. Die verrückt gewordene KI Glados, die man im Spiel besiegt hat, singt zum Abschied ein Ständchen, das vor Selbstironie nur so trieft. "We do what we must, because we can / For the good of all of us, except the ones who are dead." Herrlich.

96 Die Ärzte - Der Graf
Auf die Frage "Bela, Farin, Rod?" lautete meine Antwort stets "Bela". Zwar zeichnete Herr Urlaub für die größeren Gassenhauer verantwortlich, meine persönlichen Lieblingslieder des Berliner Trios waren aber stets vom Schlagzeu-g-e-r der Band. "Der Graf" stammt von dem immens erfolgreichen Album "13" (das mit "Ein Schwein namens Männer") und erzählte die traurige Geschichte des Grafen Dracula, der sich in der Moderne nicht mehr zurechtfindet und schließlich den Tod durch Sonnenbestrahlung sucht.Ja, damals starben Vampire noch in der Sonne. Nix mit Glitzern.

95 The Horrors - Sea within a sea
Der Schlusstrack des tollen Albums "Primary Colours" vereint die wichtigsten Elemente der Musik der Horrors in umwerfender Weise: Viel Hall, mäandernde Synthies und manische Achtelgitarren finden zusammen und weisen den Weg von der Tristesse ins gleißende Licht eines neuen Tages. Bei der Sendung mit der Maus würde die nette Stimme jetzt sagen: "Das war...pathetisch!"

94 The Libertines - What Katie did
Ach ja, die Libertines. Wohl eine der Bands, die meine Generation am nachhaltigsten geprägt hat. Anfang der 2000er-Jahre grassierte ja das große Garagenrock-Revival, in dessen Verlauf eine Vielzahl von Gitarrenbands populär wurde. The Libertines waren hierbei so etwas wie die zeitgenössische Drogenversion von The Clash. Ziemlich kaputt, aber auch ziemlich mitreißend. Dass es diese Band überhaupt auf zwei reguläre Alben gebracht hat, mutet aus heutiger Sicht wie ein Wunder an.

93 Isis - Weight
Es muss um 2006 herum gewesen sein, als ich den Postrock für mich entdeckte. Damals las ich noch eifrig das Musikmagazin VISIONS, und wurde durch das auf einer Heft-CD enthaltene "Weight" auf die Postrock-, bzw. Postmetalband Isis aufmerksam. "Weight" ist ein genretypisches Crescendo, wobei besonders die leicht verstimmten Gitarren und die bombastische Snaredrum den Song aus dem Brei der "Lass mal immer das gleiche spielen und langsam lauter werden"-Stücke herausheben. Muss man laut hören. Sehr laut.

92 Die Fantastischen Vier - Michi gegen die Gesellschaft
Wenn es einen HipHop-Track gibt, den ich auswendig runterbeten kann, dann "Michi gegen die Gesellschaft". Allein die ersten Zeilen haben sich für immer eingebrannt: "Iiiiich schneide eine Schneise durch die Scheiße / Entscheide auf der Reise wie ich heiße / Entgleise stelienweise, aber weise / Verweise hier im Kreis auf die Beweise". Und so weiter. Der Song handelt vom freizeitlichen Kiffen und den damit verbundenen Problemen des Herrn Beck mit der ausführenden Gewalt, welche schließlich zur Hinrichtung des Gesetzesbrechers führen. "Switch", bzzt bzzt bzzt.

91 Elton John - Rocket man
Elton John war mal verdammt gut. Eine Tatsache, die man angesichts der eher nicht so prächtigen Werke seiner späteren Jahre häufig vergisst. Am Anfang seiner Karriere war der kleine große Engländer aber schlicht genial. Sowohl stimmlich als auch kompositorisch. "Rocket man" ist wohl mein Lieblingslied des mittlerweile zum Sir ernannten Songwriters. Ein meisterlicher Popsong mit einem Refrain für die Ewigkeit.