Donnerstag, 6. Februar 2014

Schnellcheck #2: Kraut und quer

Da ich ja mittlerweile auch für www.plattentests.de schreibe, werde ich noch viel mehr mit neuer Musik beworfen, als es ohnehin schon der Fall war. Dass ich meine dort veröffentlichten Rezensionen nicht hier posten werde, ist eine Selbstverständlichkeit. Da ich aber nicht zu jeder gehörten Platte einen Artikel verfassen werde, bietet es sich an, in diesem Blog ein wenig über Musik zu sprechen, die meist speziell und nicht selten ziemlich verrückt ist. Diese Folge des Schnellchecks enthält daher einige Alben, die ich nicht uneingeschränkt empfehlen würde - einen gewissen Unterhaltungswert kann ich ihnen allerdings nicht absprechen.

Afroman - Marijuana music (2/10)
HipHop, Reggae, Kiffermusik

Vor vielen Jahren beglückte uns der Mann mit der fiesen Frise mit einem Lied, das schon jetzt ein Pflichtbestandteil jeder Trashsammlung der 00er-Jahre ist. Ja, ich meine "Because I got high", ein Lied, das so dumm ist wie diese Welt. Der Afroman hat seitdem weiterhin konstant Platten veröffentlicht, wobei deren Qualität eher im Urlaub war. Sein neues Werk "Marijuana music" setzt die Serie von Müllalben nahtlos fort. Hingeschluderte Beats, sich endlos wiederholende Strophen und Texte, die selbst HP Baxxter die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. Braucht keiner.


Connect_Icut - Crows & kittiwakes wheel & come again (5/10)
Ambient, Minimalismus, Noise

Was für ein Titel! Wer ein Album so benennt, muss gut sein - zumindest dachte ich das, bevor ich die CD zum ersten Mal gehört hatte. "Crows..." enhält einige überlange Tracks, die größtenteils aus Fiepen, Surren und Rauschen bestehen. Nun bin ich an sich experimenteller Musik nicht abgeneigt, wenn jedoch überhaupt keine Ideen außer "Lass mal Geräusche machen" vorhanden sind, kann auch ich wenig mit der Musik anfangen. Wobei man Connect_Icut zugestehen muss, dass der Opener "Imperial alabaster" ziemlich geiler Scheiß ist.


Postures - dto. (6/10)
Progressive Rock, Post Rock

Wenn ihr euch schon immer mal gefragt habt, wie The Mars Volta mit einer Sängerin klingen würden, kann ich euch diese Band nur wärmstens ans Herz legen. Postures orientieren sich so stark an ihren Vorbildern, dass viele Songs beinahe wie Coverversionen straighterer Mars Volta-Momente anmuten. Das ist zwar nicht sehr eigenständig, aber stellenweise doch überzeugend geraten. Vor allem die härteren Stücke ("Solipse") sind schön anzuhören. Leider ist die Musik auf Albumlänge aber doch ein wenig zu zahm geraten, als dass die Band wirklich die Nachfolge von Cedric und Omar antreten könnte.


Baskery - Little wild life (6/10)
Indiepop, Folk, Country

Drei Schwestern machen Indiepop. Nein, ich spreche nicht von Haim, jener unsäglichen Dudelfamilie, die aus unersichtlichen Gründen von einem Großteil der Musikpresse zu den Retterinnen der leichten Muse erklärt wurde. Die drei Schwedinnen, die sich Baskery nennen, machen unaufdringliche und abwechslungsreiche Popmusik, die stark von Folk und Country beeinflusst ist. Ein bisschen seicht, aber sicher nicht unsympathisch. Gerade die Harmoniegesänge der Damen sind aller Ehren wert.


Peter Walker - Has anybody seen our freedoms? (4/10)
Singer-Songwriter

Stellt euch vor, ihr hieltet eine Gitarre in euren Händen. Diese Gitarre ist aber kein handelsübliches Exemplar, sondern beseelt und lebendig. Fast wie von selbst entfleuchen ihr Melodiefetzen und taktfernes Geschrammel. Nun stellt euch vor, ihr müsstet gleichzeitig in einem monotonen Sprechsingsang kryptische Texte in ein Mikrophon singsangsprechen. Songstrukturen? Macht die Klampfe. Zumindest glaubt sie das. Sehr komisch, würde Alfred J. Kwak wohl sagen. Ich sage: Hippiekacke.


Sophie Ellis-Bextor - Wanderlust (6/10)
Pop

Ihr habt drei Sekunden Zeit, um einen Song von Sophie Ellis-Bextor zu nennen. 3, 2, 1... Na, was war's? Falls ihr nicht an "Murder on the dancefloor" gedacht haben solltet: Respekt. Dass Frau Ellis-Bextor immer noch Musik macht, ist ob der relativen Erfolglosigkeit ihrer letzten Alben keine Selbstverständlichkeit. Dass ihr neuestes Werk "Wanderlust" gar nicht mal so schlecht geraten ist, noch viel weniger. Natürlich sind ihre Lieder noch immer radiotauglich und eingängig, so richtig eklig sind sie aber auch nicht. Vielmehr macht Sophie nun elegante Popmusik mit viel Streichereinsatz und Band.