Donnerstag, 6. Februar 2014

Top 100, 16: Pink Floyd - The dark side of the moon (1973)


So, jetzt haben wir den Salat. Jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich tatsächlich etwas über "Dark side of the moon" schreiben muss. Als ob das angesichts der stets bemühten (hier bitte böse gemeinte Assoziationen mit Grundschulzeugnissen einfügen) Superlative, die Geschreibsel zu diesem Meisterwerk begleiten, wirklich noch sein müsste.

Die allererste Frage muss daher lauten: Ist es denn wirklich so gut wie sein Ruf? Oder hat sich da nicht vielmehr ein Gutfindungszwang in den Köpfen manifestiert? Es war ca. 1000 Wochen in den Charts. Es verkaufte sich schneller als sein Mondschatten. Sogar Omma kennt das ikonische Cover mit dem Prisma. Daher könnte ich es jetzt eigentlich schon sein lassen. Wirklich neue Erkenntnisse werde ich dem Textnirwana sicherlich nicht beimengen können. Einigen wir uns also fürs erste darauf, dass "Dark side of the moon" ein kleines bisschen zu wichtig genommen wird und gleichzeitig ein fantastisches Album ist.

Wer doch mehr wissen möchte, möge weiterlesen:

Das, was ich am innigsten an der Platte liebe, ist ihr Flow. Nach dem träumerischen Introsong "Breathe" geht es nahtlos in das rastlose "On the run" über. Von rechts nach links wabert der Moog vorbei, während das Hihat stoisch den Puls vorgibt. Normalerweise finde ich es wenig erbaulich, wenn Bands ihre Alben mit einer dahingehauchten Balladenskizze und minutenlangem Synthiegeblubber eröffnen. Hier funktioniert es jedoch ganz hervorragend - weil man weiß, dass das Vorgeplänkel nötig ist, um die darauf folgenden Songs ins rechte Licht zu rücken.

Das Gebimmel, das "Time" eröffnet, schreckt auf. Schluss mit Geschwurbel, die Uhr tickt. Schon wieder ein Intro, diesmal jedoch eines, das kein Weghören duldet. Die typische Pink Floyd-Gitarre badet im Echo, ehe urplötzlich die ganze Band einsteigt. Was folgt, ist der Rest des Albums.

Moment mal, was?

Ich habe lange überlegt, wie ich die Emotionen, die ich von "Time" bis "Eclipse" durchlebe, wenn ich das Album höre, beschreiben soll. Ich sehe den "Rest des Albums" als Einheit. Als einen einzigen, gigantischen Song, in dem Motive angedeutet, weitergedacht, wiederaufgenommen und kunstvoll vollendet werden. Ein Song, der während "The great gig in the sky" orgiastische Höhen erklimmt, um sich kurz darauf in dem zynisch-abgezockten Groove von "Money" zu suhlen.

Die finale Mini-Suite aus "Us and them", "Any colour you like", "Brain damage" und eben "Eclipse" bläst - die richtigen Werkzeuge vorausgesetzt - auch heute noch aus den Latschen. Nicht obwohl, sondern weil sie viel zu dick auftragen. Während jedoch andere "progressive" Bands jener Zeit sich völlig ins Abseits dudelten, behalten Pink Floyd den Fokus. Viele Spuren? Genehmigt. Alle Effekte dieser Welt auf der Gitarre? Gerne. Die Marmeladenseite muss aber oben bleiben. Immer.

Zudem ist es jener immer wieder aufblitzende Humor, der bei Laune hält. Besonders augenfällig ist hier natürlich "Brain damage" mit den herrlichen Zeilen: "The lunatic is on the grass / the lunatic is on the grass / Remembering games and daisy chains and laughs / Got to keep the loonies on the path." Spießbürgertum, Ichkrise und Weltraummelodie in einem Stück,

Der Rest vom Rest ist Glorie und Elysium. Zum Himmel damit!