Freitag, 13. Dezember 2013

Angehört 2013: Angst und Schrecken

Bevor wir zu den Alben des Jahres kommen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein wenig Hass und Häme loszuwerden. Dass es tonnenweise schlechte Musik gibt, ist ja per se nicht einmal so schlimm - man muss das Elend ja nicht hören. In manchen Situationen (z.B. beim Aufenthalt in Kaufhäusern oder Schankstätten) kann man ihm allerdings nicht entfliehen. Es folgen nun in loser Zusammenstellung einige musikalische Totalschäden der zurückliegenden zwölf Monate.

Adel Tawil - Lieder

Eine der besten Artikelüberschriften des Jahres stammt von laut.de. Adel Tawils neuestes Werk wurde dort mit der schönen Zeile "Adel vernichtet" betitelt. Treffender kann man es kaum formulieren. Ich möchte jetzt gar nicht groß über das Album sprechen, da ich dieses Schandwerk ohnehin nur ein einziges Mal beim Staubsaugen gehört habe. Mir geht es um das Lied namens "Lieder". In diesem Song erzählt der Adel nämlich total clever und anspielungsreich, wie viel ihm Musik doch bedeutet. Dabei nimmt er Verse bekannter Songs auf und metzgert sie so lange, bis nichts außer Sülze übrigbleibt. Schon Adels Ruhmesgrund Ich & Ich stellte für mich so etwas wie die Essenz der neuen deutschen Rührseligkeit dar. Schlager für Leute, die natürlich niemals Schlager hören würden.

Will.i.am feat. Justin Bieber - #thatPOWER

Willi wills wissen. Deswegen hat er sich von seinen Moneten ein großes Tonstudio gekauft, um seine visionären Ideen verwirklichen zu können. Dass Willi einen veritablen Hörschaden hat, weiß er leider nicht. Leider sagt das auch niemand dem Willi, denn das hätte zur Folge, dass dieser aufhören würde, andere Leute zu Kollaborationen aufzufordern und sie so zu den Geldtöpfen zu führen. Pecunia non olet, sagte der Römer - und auch wenn ihn heute keiner mehr so wirklich versteht, hat er immer noch Recht. Den Willi schert das indes herzlich wenig. Er versieht seine Meisterwerke mit Hashtags und passt die Musik seinem tiefergelegten Verstand an. Schlimm ist das, aber auch irgendwo notwendig, denn der Willi wäre ohne die Welt um einiges ärmer.

Do the Harlem shake

Internetmemes kommen und gehen. Nerven tun sie immer recht schnell, manchmal sind sie aber durchaus witzig. Den "Harlem shake" finde ich nicht witzig, zumindest nicht in so einem Maße, dass er mich dazu motivieren würde, ein total lustiges Video mit meinen Arbeitskollegen / Mitbewohnern / Zellengenossen aufzunehmen und dieses anschließend ins Internet zu stellen. Aber "es ist ja auch voll crazy, wenn man mal was Verrücktes macht" (Zitat einer mir bekannten Person). Also ehrlich, wenn ich was Verrücktes machen will, dann sicher nicht mit so einer Scheißmusik im Hintergrund. Da gehe ich lieber auf ein Jürgen Drews-Konzert.


Sportfreunde Stiller - Applaus, Applaus

Es ist so vieles falsch an dieser Band. Der schräge Gesang. Die zwischen Idiotie und Anbiederung schwankenden Texte. Das Überhöhen von Befindlichkeiten zu einem Lebensgefühl. Mit einer Fusselbürste gehörten sie sich verhauen, diese vierzigjährigen Rotzlöffel. Auf dass sie eines Tages doch noch einsehen mögen, dass das mit der Musik vielleicht doch keine so gute Idee war. Aber mei, was will man machen. Sind ja auch so natürlich geblieben, die Sportfreunde. 

Miley Cyrus - Wrecking ball

Hört man ausschließlich auf die Musik, ist "Wrecking ball" gar nicht mal so grässlich. Bei dem Song handelt es sich um eine klassische Popballade mit ausladendem Refrain und leichten Electro-Anleihen. Stangenware also. Aber leider gibt es zu "Wrecking ball" auch ein Video. In dem Kurzfilm reitet uns-Miley auf der Abrissbirne und macht ganz unartige Dinge mit einem Vorschlaghammer. Zumindest war es warm auf der Baustelle, denn Madame Cyrus verbringt einen Großteil des Videos spärlich oder nicht bekleidet. Ich vermute, dass dies Verletzlichkeit und Erotik suggerieren soll, leider verfügt Miley nicht über die nötige Laszivität, um das Ganze würdevoll über die Bühne zu bringen.