Mittwoch, 11. Dezember 2013

Angehört 2013: Songs

Zehn Lieder, die mich über dieses Jahr hinaus begleiten werden. Die Reihenfolge entspricht keinem Ranking. Falls ihr mehr obskuren Indiekram erwartet habt, muss ich euch leider enttäuschen. Der taucht dann bei den Alben auf.

Lorde - Royals
Wenn das neuseeländische Wunderkind nicht gerade Videoplattformen zum Absturz bringt, macht sie ganz hervorragende Popmusik. Lordes zweite Single "Royals" besitzt nicht nur einen zeitgenössisch minimalistischen Beat, sondern auch einen der schönsten Refrains der jüngeren Vergangenheit. Auf Albumlänge erschöpft sich ihr Stil relativ schnell, was diesem Kleinod hier aber nicht im geringsten schadet. Man möchte die Welt umarmen, wenn der Engelschor "roooyaaaals" singt.


Amplifier - Where the river goes
Um die Zeit bis zum nächsten "richtigen" Amplifier-Album zu überbrücken, erschien dieses Jahr "Echo street", welches größtenteils Neueinspielungen älterer Songs enthielt. "Where the river goes" ist mein persönlicher Favorit der Platte. Das Lied beginnt als zurückhaltende Ballade und endet als Amplifier-typisches Klanggebirge - ein Verlaufsschema, das man bei vielen Songs der Briten vorfindet. Da ich aber erklärter Fanboy der Band bin, verzeihe ich ihnen den mangelnden Innovationswillen und freue mich stattdessen über eine weitere Hymne für Spaziergänge durch Landschaften beeindruckender Natur.


Sigur Rós - Brennisteinn
"Valtari" war ziemlich langweiliger Murks. Kitschige Elfenmusik kann meinetwegen Enya machen, von Sigur Rós erwarte ich dann doch ein wenig mehr. 2013 kann glücklicherweise als das Jahr verbucht werden, in dem die zum Trio geschrumpfte Band noch einmal die Kurve gekriegt hat. Der erste Track des Quasi-Comebacks "Kveikur" ist hierbei besonders beeindruckend geraten. Tonnenschwer dröhnt der verzerrte Bass, das Schlagzeug scheppert wie in alten Zeiten. Und Jónsis Stimme hat, das richtige Arrangement vorausgesetzt, nichts von ihrem Reiz verloren. Ein spektakulärer Song.


Paul McCartney - On my way to work
Dass "Macca" noch einmal ein passables Album aufnehmen würde, hätten wohl selbst die optimistischsten Musikhörer nicht mehr für möglich gehalten. Dank der Hilfe einiger namhafter Produzenten und vieler wirklich toller Songs zählt McCartneys Album "New" aber zu den positiven Überraschungen von 2013. Ein Händchen für Ohrwürmer hatte der Paul ja schon immer, jedoch übertrieb er es allzu oft mit der Catchyness seiner Schlager. "On my way to work" macht hingegen alles richtig. Ein klassischer Popsong mit einer fiesen Sitarmelodie nach dem Chorus und dem für McCartney typischen augenzwinkernden Humor.

Kanye West - Hold my liquor
Was den Medienrummel angeht, war "Yeezus" sicherlich eines der meistdiskutierten Alben dieses Jahres. Der Megalomaniac Kanye ließ es aber auch derbe krachen. Einer der wenigen ruhigen Songs auf "Yeezus" ist "Hold my liquor", ein Lied, das einem die Schuhe auszieht, so unerwartet und intensiv kommt es daher. West erzählt von Abstürzen und dem Weitermachen, während ringsum die Gitarren jaulen. HipHop ist das schon lange nicht mehr. 


Daft Punk - Giorgio by Moroder
Noch so eine Hypegruppe. "Random Access Memories" war eine der größten Enttäuschungen des Jahres, trotz des omnipräsenten "Get lucky". Der einzige Track des Albums, der die hohen Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern sogar übertreffen konnte, ist "Giorgio by Moroder". Der Song beginnt mit einem Monolog der namensgebenden Discolegende, in welchem Giorgio von der Erfindung des 4/4-Beats erzählt. Danach zelebrieren die Franzosen in knapp sieben Minuten die Transformation eines simplen elektronischen Motivs zu einem orgiastischen Streicherfinale. Wenn der Rest des Albums nur ebenso brillant gewesen wäre.


Queens of the stone age - I appear missing
"I appear missing" ist zweifelsohne der Höhepunkt des neuen Queens-Albums "...Like clockwork" Einer der wenigen klassischen Rocksongs der vergangenen zwölf Monate, der nicht abgedroschen, sondern mitreißend klang. Dat Ding brennt.


Tocotronic - Die Revolte ist in mir
Wenn alle Bands einen so nahtlosen Übergang ins Alterswerk hinkriegen würden, wie Tocotronic es mit "Schall und Wahn" und "Wie wir leben wollen" vorgemacht haben, müsste man sich viel seltener aufregen. Dirk von Lowtzow schwadroniert zwar mehr denn je in ganz eigenen Sphären, doch vereinzelt vereinen sich des Sängers wirre Worte und die Musik zu einer unwiderstehlichen Mixtur. "Was ich noch sagen wollte: Ich bin kein Mensch in der Revolte, die Revolte ist in mir." singt Dirk, und nimmt Missverständnisse nur zu gern in Kauf. 


M.I.A. - Bad girls
Obwohl dieses Lied schon 2012 erschienen ist, zählt es zu meinen Songs des Jahres 2013. Weil es einfach nicht totzuhören ist. Weil es den besten Timbaland-Beat hat, den Timbaland nicht gemacht hat. Weil dieses unglaubliche Sample einen nicht mehr loslässt.


The Knife - Full of fire
Kranke Scheiße is happening. So klingt es also, wenn man Kim Gordon durch einen Fleischwolf dreht und die Reste zum Musikmachen nach Schweden schickt. Die Geschwister Dreijer haben wirklich ordentlich einen an der Waffel, und zu allem Überfluss machen sie auch noch Kuuuunst, was ihr in Gänze eher unhörbares Werk "Shaking the habitual" zeigt. "Full of fire" ist dagegen ein wunderschöner Song, der einen an Kreissägen und japanische Filme, die man eigentlich verdrängen wollte, erinnert. Mein Tipp für die "staade Zeit".