Samstag, 15. Juni 2013

Meine Top 100 - Die Plätze 100 bis 91


Warum gibt es diese Liste?
Diese Liste existiert, weil ich es endlich fertig gebracht habe, mir die Mühe zu machen, sie zu erstellen. Ich hatte schon lange vor, meine Lieblingsplatten in eine mehr oder minder zufällige Reihenfolge zu bringen - nun habe ich tatsächlich mal die Muße gefunden, mich ein paar Stunden hinzusetzen und mir den Kopf zu zerbrechen. Das Schwierigste war tatsächlich, auf 100 Platten zu kommen - mir gefallen zu viele Alben gleich gut, was das Auswahlverfahren für die hinteren Plätze der Top100 ziemlich zäh gemacht hat. An dieser Stelle möchte mich auch bei Jan (sein Blog: Pop Crimes) bedanken, mit dem ich vor einigen Wochen stundenlang über Lieblingsalben diskutiert habe.

Persönlicher Geschmack vs. historische Relevanz - was überwiegt hier?
Die meisten Platten dieser Liste stammen aus den letzten 20 Jahren, was gewiss mit meinem Alter und meiner Hörbiographie zu tun hat. Die älteren Alben, die es in meine Aufzählung geschafft haben, sind aber nicht ausschließlich dort, weil ich sie für historisch relevant halte, ganz im Gegenteil. Viele Künstler früherer Dekaden habe ich erst vor kurzem entdeckt, und ich weiß, dass ich noch immer nur an der Oberfläche kratze. Gerade bzgl. obskurerer Bands aus den Siebzigern und Achtzigern besteht noch immenser Aufholbedarf.
Selbstverständlich mag ich jedes Album, das ich in die Top100 aufgenommen habe - manches mehr, manches weniger. Es geht mir bei dieser Liste nicht nur um das bloße Gefallen, sondern auch darum, wie wichtig ein Album für mich persönlich war - sei es, weil es mich in bestimmten Lebenssituationen begleitet hat, oder weil es mir Türen zu anderen musikalischen Strömungen geöffnet hat.

Welche Genres sind drin, welche nicht?

Die meisten Tonträger, die es in die Liste geschafft haben, stammen aus den Bereichen Rock, Pop und Hardrock / Metal, da ich diese Genres seit jeher am intensivsten verfolge. Dennoch werdet ihr auch auf einige Jazzplatten, elektronischen Kram, psychedelische Eskapaden und auch das eine oder andere HipHop-Album stoßen. Die einzigen Genres, die ich überhaupt nicht hören kann, sind Metalcore (Staubsaugermusik), politischer Deutschrap (Fremdscham am Anschlag), Bierzeltmusik (siehe pol. Deutschrap) und alles, was sich Easy Listening schimpft.
Ja, Schlager höre ich - dafür finde ich z.B. schon Udo Jürgens ältere Songs viel zu gut. Und Hansi Hinterseer ist auch toll, hat er mir doch gezeigt, wie schlimm es wirklich um die Menschheit bestellt ist.


So, genug gelabert. Los gehts:
 

100 Melanie C - Northern Star (1999)
Ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Aber "Northern Star" ist wirklich ein gutes Album. Und es ist eine ideale Nummer 100. Es ist ja fast schon ein wenig tragisch, dass eine so hübsche Stimme wie die der Frau Chisholm so selten wirklich schöne Lieder singt. Lieder wie "Suddenly Monday" oder "Goin' down", kleine Popperlen für Menschen, die sich mit Freude peinliche Lieblingsplatten zulegen.




99 The Chemical Brothers - Surrender (1999)
Mehr Material aus dem Jahre 1999. Sicherlich nicht gerade das undergroundigste an elektronischer Musik, aber so unfassbar eingängig und elegant produziert, dass man beinahe jeden Track feiern muss. Besonders toll: Das von Noel Gallagher eingesungene "Let forever be" und das ätherische "Asleep from day" mit Hope Sandoval am Mikrophon.






98 Aereogramme - A story in white (2001)
Diese Platte ist eigentlich nur wegen eines einzigen Songs in meiner Liste gelandet: "Post-tour, pre-judgement" ist eines meiner absoluten Lieblingslieder. Zärtliche Harmonien, engelsgleicher Gesang - und dann kommt eine Lärmwalze, die alles und jeden aus dem Weg räumt. "Fuck the devil. Fuck myself." Größtmögliches Kino.






97 L7 - Bricks are heavy (1992)
Wenn vom Grunge die Rede ist, werden leider häufig nur noch die kommerziell erfolgreichsten Bands wie Nirvana, Soundgarden oder Alice in Chains genannt. Eine Schande, denn wird so eine der besten Gruppen jener Jahre sträflich ignoriert. Das ist Punkrock, wie er wirklich sein muss. Roh, aggressiv, dissonant und kompromisslos.






96 Bohren und der Club of Gore - Black Earth (2002)
Langsam. Noch langsamer. Zäh fließen Klangfragmente aus den Boxen, ein Schlagzeug wird gestreichelt, der Bass grummelt knapp oberhalb des subsonischen Bereichs. Plötzlich ist es da, das Saxophon. Es klagt, es leidet. Die Zeit ist stehengeblieben, es ist zappenduster. Bohren und der Club of Gore, eine deutsche Band aus Westfalen, machen Doomjazz. Und sie meinen es verdammt noch mal ernst.




95 Red Hot Chili Peppers - Californication (1999)
Nachdem John Frusciante sich drogenbedingt beinahe ins Grab gebracht hatte, war die Ungewissheit anno 99 groß. Würde er noch einmal zu alter Form zurückfinden können? Die Antwort fiel eindeutig aus: Er würde. "Californication" ist v.a. wegen Frusciantes aufgekratzem Gitarrenspiel das roheste Peppers-Album, wie entfesselt ließ die Band die funkigen Ficklieder der Vergangenheit hinter sich und erschuf unwiderstehlich groovende, zeitlose Songs. Selbst der ansonsten eher minderbemittelt herüberkommende Anthony Kiedis schaffte es, einmal richtig gute Texte zu schreiben. (man höre den Titelsong oder das wunderschöne "Road trippin'")


94 Burial - dto. (2005)
Die Kunst des Weglassens beherrschen nur wenige Musiker. Zu verlockend ist es, eine Idee zu ertränken. Das Burial-Debüt ist so etwas wie eine Gebrauchsanweisung für erfolgreich angewandten Minimalismus: Skelettierte Rhythmen, spärlich eingesetzte Töne, weniger ist hier alles. Musik für neonbeleuchtete Bauruinen. Soul für Roboter.






93 Maserati - Inventions for the new season (2007)
Postrock kann manchmal schreklich peinlich sein. Da wird geschwelgt und gerifft, bis kein Auge mehr trocken ist und jegliche emotionale Regung mit dem Dampfhammer aus dem Hörer geprügelt wurde. Nicht so bei Maserati: Mäandernde Gitarrenläufe, viel Hall, viel Delay. Und untendrunter diese unwiderstehlichen Bassläufe, die einem ein debiles Grinsen ins Gesicht zaubern, während man sich tanzend in der Musik verliert.





92 Trio - dto. (1981)
Trio waren so viel mehr als "Da da da". Protopostmoderne Schlagerpunks mit den großartigsten Liveauftritten seit Elvis. (ob Presley oder Costello dürft ihr euch aussuchen) Ein Furz ins Gesicht der deutschen Hitparade. Ob Hardrock oder Kirmesmucke: Das Trio liefert geil ab.







91 Townes van Zandt - Our mother the mountain (1969)
Niemand beherrschte den wehklagenden Country-Singsang besser als der viel zu früh verstorbene Townes van Zandt. Seine musikalisch an sich höchst konventionellen Songs lebten von dieser unverkennbaren Stimme und Texten, die nur auf den ersten Blick oberflächliche Heimatgedichtchen waren.







Der zweite Teil erscheint nächsten Samstag!