Montag, 21. Oktober 2013

Top 100, 19: The Smashing Pumpkins - Adore (1998)


Achtung, Provokation! Ich finde "Adore" besser als "Siamese Dream" und "Mellon Collie". Auch wenn ich mit meiner Meinung wahrscheinlich einigen Verfechtern der "wahren" Pumpkins auf den Schlips treten dürfte, stehe ich zu meiner Liebe zu dem sicherlich kontroversesten aller Smashing Pumpkins-Alben. 

Viel wurde damals gezetert, als "Adore" herauskam. Über blöde Electrobeats, über fehlende Rockbretter, über eine Band, die offensichtlich ihre besten Tage hinter sich gelassen hatte. Nach dem Rauswurf des Drummers Jimmy Chamberlin hatte Billy, der nun glatzköpfige Vampirkönig, das Ruder radikal herumgerissen und mehr oder minder eigenmächtig den neuen Kurs seiner Band bestimmt - die verbliebenen Bandmitglieder James Iha und D'Arcy Wretzky hatten sicherlich nicht besonders viel Mitspracherecht, als es um die künstlerische Neuausrichtung nach der Schrumpfung zum Trio ging. 

Da wir hier nicht bei der britischen Musikpresse sind, werden derlei Nebensächlichkeiten im weiteren Verlauf allerdings keine Rolle spielen.

"Adore" ist gewiss das poppigste Pumpkins-Album, vorbei waren die Zeiten von wüsten Equipmentvernichtungsübungen wie "x.y.u". Und obwohl viele Songs mit elektronischen Elementen angereichert wurden, bleibt ihr akustischer Kern stets deutlich hörbar erhalten. Wer sich also von den teils recht offensiv eingesetzten Synthies nicht sofort abschrecken lässt, wird reichhaltig belohnt.

Zwischen opulent ausstaffiertem Widescreen-Pop finden sich immer wieder vom Klavier dominierte Songs, schlicht und schön. So ist beispielsweise "Behold! The nightmare" ein faszinierendes Zwitterwesen aus beatlesken Harmonien und phasergetränkter Klangmalerei.

Und dann sind da diese Momente, die aus gewöhnlichen Songs Preziosen machen: Die aufsteigende Gitarrenfigur in der Mitte von "Ava Adore", die bombastischen Gitarrenwände im Refrain von "Daphne descends", das Solo, das "For Martha" in andere Sphären katapultiert. 

Das Album endet mit "Blank page", einer Klavierballade, die perfekt die gesamte Stimmung des Longplayers einfängt. Nicht mehr das pubertäre Dahinleiden steht im Vordergrund, sondern eine distanzierte Melancholie, die umso eindringlicher wirkt. 

Nach "Adore" folgte der langsame, aber unaufhaltsame Abstieg Corgans, sowohl in künstlerischer als auch in kommerzieller Hinsicht. Egal ob solo oder mit Bandunterstützung: Billy bekam nichts mehr auf die Reihe, und sollte sich einige Male sogar bis zu den Hüften in musikalische Fettbehälter begeben. (Eines Tages werde ich noch über "Zwan" herfallen müssen, aber darüber sprechen wir ein andermal.)