Mittwoch, 2. Oktober 2013

Top 100, 24: Leonard Cohen - Songs of Leonard Cohen

24 Leonard Cohen - Songs of Leonard Cohen (1967)
"And you want to travel with her, and you want to travel blind / and you know she will trust you, for you've touched her perfect body with your mind." Zeilen, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen. Zeilen, die begreiflich machen, wozu Sprache fähig sein kann. Geraunt von einem etwas bieder aussehenden Mann, stets vorzüglich gewandet. Ein Künstler, ein Dichter ist er, dieser Leonard Cohen. Ein talentierter Sänger weniger, wobei das, was er Ende der Sechziger stimmlich zu fabrizieren in der Lage war, im Vergleich zu seinem heutigen Geröchel beinahe wie Operngesang wirkt.

Aber darum geht es auch nicht. Die Stimme passt perfekt zur Musik. Rastlose Zupfmuster, spukige Streicher, schräge Bläserakzente, dazu der monoton-rezitative Singsang Cohens. Mit minimalen Mitteln erzeugt er eine ungemein intime Atmosphäre. Im Zentrum stehen die Texte, die Geschichten, die er erzählt. Strophen, die man in Gänze wiedergeben muss, um ihre Schönheit zu begreifen:

"When I left they were sleeping,
I hope you run into them soon.
Don't turn on the light
You can read their address by the moon;
And you won't make me jealous
If I hear that they sweeten your night
We weren't lovers like that
And besides it would still be all right." (aus "Sisters of mercy")

Die Bilder, die Cohen heraufbeschwört, entstehen aus den Zwischentönen, den Wechselwirkungen angedeuteter Gefühlslagen. Und obwohl die Sprache stets vage bleibt, erzeugt jedes Lied eine ganz bestimmte Emotion. So ist beispielsweise "So long, Marianne" ein Song, der selbst Ertrinkenden ein Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte. Und "Teachers" ist in bestem Sinne verzweifelt.